Tonalität – Warum Musik so klingt wie sie klingt (Teil 1/4)

Wir empfinden bestimmte Tonfolgen als harmonisch oder unharmonisch, gleichzeitig haben Tonfolgen oft eine bestimmte Stimmung, doch warum ist das so? Und hat das in Zeiten von „Handy-Produzenten“ überhaupt noch eine Bedeutung?

Willkommen in der Welt der Tonarten

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Moll- und Dur-Tonarten. Dabei gilt die Faustregel, dass eine Moll-Tonart eher traurig und dunkel klingt und Dur-Tonarten fröhlich und klar klingen, doch ganz so pauschal kann man das nicht sagen, denn letztlich ist auch die Wahrnehmung immer subjektiv.

Tonarten haben auch heute (noch) ihre Daseinsberechtigung

Ob bewusst oder unbewusst, bewegen wir uns immer noch meistens in zumindest verwandten Tonarten innerhalb eines Musikstücks. Wahrscheinlich ist die Anzahl der Produzenten, die sich bewusst für eine Tonart entscheiden und ein Stück in dieser Tonart komponiert – vor allem in der modernen Musik – verschwindend gering. Dennoch finden sich in fast jedem Musikstück Tonfolgen, die sich Tonarten zuordnen lassen.

Sehr verbreitet ist bei DJs inzwischen das sogenannte „Harmonic Mixing“, das genau auf der Tonart-Gleichheit bzw. -Ähnlichkeit aufbaut. Die gängigen DJ-Software-Produkte wie Serato oder Traktor analysieren Tracks automatisch und weisen ihnen Tonarten-Tags zu. Gleichzeitig sind die oft zu sehenden Farben nicht einfach bedeutungslose Farbmischungen, sondern folgen dem Farbcode des Camelot – Wheels (moderner Quintenzirkel) – hierzu jedoch an anderer Stelle mehr. 

Wird sich auch das menschliche Gehör verändern?

Mit Sicherheit werden wir in einigen Jahrzehnten andere Tonfolgen als harmonisch empfinden. Vielleicht werden neue Tonarten entstehen und die jetzigen teilweise aufgelöst werden. Denn ähnlich wie das visuelle Empfinden von Verhältnissen im Wandel ist – weg vom Goldenen Schnitt, hin zu 16:9 – wird auch das, was wir hören, unser Harmonieempfinden beeinflussen.

Solange wir aber noch die klassischen Tonfolgen als harmonisch empfinden, werden wir auch weiter mit den bekannten Tonarten und Harmonielehren Musik beschreiben können. Die Bedeutung der klassischen Tonarten wird also auch in der heutigen Zeit von „Handy-Produzenten“ weiterhin von Bedeutung bleiben.

Hier eine kurze Übersicht über die Stimmungen der #-Dur Tonarten:

C-Dur:

Keine Vorzeichen, die Reine, die Unschuldige – die Naive.

Für manche Musiktheoretiker auch der Inbegriff der musikalischen Rückständigkeit, aber von wegen. Zwar mag C-Dur ohne Vorzeichen auskommen, aber dennoch verwendeten Bach, Beethoven und Mozart diese Tonart gerne und gaben ihr teils sogar einen kriegerischen, groben Charakter.

Klangbeispiel: Mozart – Piano Sonata in C- Dur (K. 545)

G-Dur (1 #):

G-Dur ist eine freudige Tonart, oft wird sie mit Idylle, schönen Landschaften und dem süßen Leben assoziiert. Auch Themen wie Liebe, Leidenschaft und Freude werden oft mit dieser Tonart verbunden. Chopin, Bach und Beethoven haben sich auch dieser Tonart gern bedient.

Klangbeispiel: Chopin – Ballade No. 1 in G-Dur (Op.23) 

D-Dur (2#):

D-Dur – die festlichste Tonart. Beliebt ist sie im Barock und der irischen Folklore. Barocktrompeten sind „in D gestimmt“, aber Streichern ist diese Tonart auch gut gelegen. Neben dem festlichen Charakter kann in D-Dur aber auch gerade durch Blechbläser eine sehr kriegerische Stimmung ausgedrückt werden. Bekannt sind hier vor allem Werke von Bach und Pachelbel.

Klangbeispiel: Pachelbel – Kanon in D-Dur (aka DAS Hochzeitlied!) 

A-Dur (3#):

A-Dur ist eine festliche, freudig ländliche Tonart. Gerade bei Gitarristen ist diese Tonart beliebt, da die Grundkadenz einfach die drei tiefsten Saiten der Gitarre sind. Mozart hat beispielsweise einige Sonaten in A-Dur komponiert.

Klangbeispiel: Mozart – Piano Sonate Nr. 11 in A-Dur (K.331) 

E-Dur (4#):

E-Dur wird als laut und lärmend beschrieben und drückt so kraftvolle und starke Gefühle wie Zufriedenheit und Glück aus. Nicht wenig überrascht, dass Chopin wie auch Schubert sich dieser Tonart bedienten.

Klangbeispiel: Schubert – Sinfonie Nr. 7 in E-Dur 

H-Dur (5#):

H-Dur bildet die Dominante Tonart zur E-Dur Tonart. H-Dur klingt oft roh und hart. Wagner wie Brahms in seinen frühen Werken nutzten diese Tonart, auch in der Kammermusik findet H-Dur Tonart seinen Einzug.

Klangbeispiel: Brahms – Klaviertrio Nr. 1 

Fis-Dur (6#):

H-Dur bildet die Subdominante zur Fis-Dur Tonart. Oft wird sie als zart und lieblich beschrieben. Fis-Dur findet jedoch nur selten Verwendung, und beschreibt dann meist Wasser oder fließende Szenen, wie beispielsweise bei Bartholdy oder Liszt.

Klangbeispiel: Liszt – Klavierstück in Fis-Dur S. 193 

Cis – Dur (7#):

Fis-Dur bildet die subdominante Tonart zur Cis-Dur, mit sieben Kreuzzeichen (cis-dis-eis-fis-gis-ais-his) ist diese Tonart verschwindend gering verbreitet. Oft haben Stücke, auch wenn sie eigentlich in Cis-Dur notiert werden sollten, eine Notation in Des-Dur (5 b). Die beiden Tonarten sind zwar nicht in der Tonfarbe, dafür aber in der Enharmonik identisch.

Bekannt sind vor allem Bachs Präludium aus dem wohltemperierten Klavier.

Klangbeispiel: Bach – Präludium III in Cis-Dur 

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